7/02/2008

 

Fuck'n Fritz ... Du hast keine Chance

... also nutze sie!

Hitchcocks schreiende Vögel im Ohr und Achternbusch seine Lebensweisheit im Kopp, lag ick heute schon kurz nach 5 Uhr nich so ganz entspannt uffm Naturlatex. Also für meine Verhältnisse haderte ick erstaunlich kurz mit dem ungewohnten Laubenpieper Schicksal, stolperte aus meinem Moskitokokon - sicher iss sicher -, und schlurfte fast automatisch zum Strassenbeach rüber.

Na jut, dachte ick nach minimalem Wasserkontakt, dann nutze mal die Chance der frühen Stunde, steht ja einiges heute an: Erst Taktikbesprechung beim Anwalt, dann zur Spasskasse für die Rechnung der Telekomiker was nachlegen, sonst seh ick da nächsten Monat alt aus, und danach zur Lagebesprechung für 2-3 Architekturfotos beim Kunden selbstsicher, vertrauensvoll und vor allem lässig daher kommen. Die janze Tour dann uffm Fahrrad, ach an Zucker musste ick och noch denken. Die naturbelassene Ella trinkt ja nur Wohlfühltee mit Honig. "Lass es Dir gut gehen" lächelte sie mich gestern an, warf mir die Laubenschlüssel zu, und düste mit dem Taxi zum Flieger.

Meine Welt iss jerade nich dat grosse Kino, eher C-Movie. Die schwarzen Halbgötter vom Sozialgericht haben sich doch nach 1 Jahr endlich dazu durchjerungen, die Gerichtspauschale zu übernehmen, immerhin ein Teilerfolg, der mich jestern zu zwei entzückenden Weizen vom Schneider verlocken liess. Wär ja och noch schöner, die janze Nummer jeht nun schon seit über zwee Jahre. Seit über drei Jahren, also nach meiner Beförderung zum ALG2, liegen wir bei der Frage der "Angemessenheit" meines Lebensstiles quer. Dat janze Spielchen jeht so, dass sie ne Einladung zur Verbesserung ihres gewohnten, und uff reichlich Erfahrungen uffjebauten Lebensstiles bekommen, nur dass se natürlich die Spielregeln nich mitbestimmen können. Also so ähnlich wie Räuberzocken mit verdeckten Karten. Mancheiner muss sich da schon beherrschen noch den richtigen Ton zu finden. Ick musste janz, janz tief durchatmen, sonst wär die Nummer vermutlich schon damals tragisch ausgegangen, echt.

So, dann kriegen se einen "Bescheid über die Bewilligung von Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II)", so heisst jetzt die Bibel, mit der "Höhe der monatlich zustehenden Leistungen", uffjeteilt in "Regelleistungen für erwerbsfähige Hilfsbedürftige" und "Anerkannte monatliche Kosten für Unterkunft und Heizung" und dem lapidaren Vermerk "Gegen diesen Bescheid können Sie innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch erheben. ..." Beim ersten Mal war ick so aufjebracht über diese Massregelungen, dat ick diss erst uffn letzten Drücker noch jemacht hatte. Monate später kam dann auch ein Widerspruchsbescheid vom Amt auf meinen Widerspruch. Dem können se wieder widersprechen, und wenn dann uff ihren Widerspruch uff den Widerspruchsbescheid zum ersten Widerspruch uff den Leistungsbescheid vom Amt wieder ein Widerspruchsbescheid einflattert, können se zum Jericht latschen, besser mit Anwalt.

Also, dat iss wie, tja wie soll ick dat beschreiben, dat iss wie wenn sie eine Ereigniskarte zu einer Ereigniskarte beim Monopoly ziehen "Gehe nie wieder über Start", oder so. An dem Punkt sind wir jetzt, und manchmal beschleicht mich die Idee, dass ick die Ereigniskarte nich richtig jelesen habe, und da drinne steht "Du kommst erst aus dem Knast, wenn wir das wollen", und nich "wenn hier einer vorbei kommt" wie im richtigen Spiel. Ehrlich jesagt iss dat Monopoly och viel lustiger und dauert vielleicht ne Stunde oder zwei, vor allem wenn se schon Hotels haben, kann dann och die Chausseestrasse sein, Kleinvieh macht ja och Mist.

Ick will, wie se ja hier sehen, nich Trübsal blasen, nee dat nu nich. Aber wenn se denn nach zwei Jahren endlich wieder Land sehen, dass die Frage der "angemessenen Kosten der Unterkunft", damit ist mein Stadtloft jemeint, endlich beantwortet wird, schöpfen se natürlich etwas Hoffnung. Den Glauben an einen funktionierenden, und die Menschenwürde beachtenden Rechtsrahmen in dieser Republik habe ich schon lange verloren, nicht erst als sich der verurteilte Namenspatron einer menschenverachtenden neoliberalen Reform von seiner Schuld frei kaufen konnte. So werden Verbrecher zu Vorbildern. Machen wir uns nischt vor, der Mensch lebt ja nich von Nudeln und Haferflocken allein, oder?

chinchin

Nach zwei Jahren sind da mal über den Daumen jut 1200 Euros anjeloofen, wir reden da über mittlerweile 80 Mücken im Monat. Und wenn se denn die Ereigniskarte weiter reichen, und andere an ihrem unverhofften Glück partizipieren lassen, kriegen se richtig Probleme. Jenau da sind wir jetzt, deshalb kommt dat mit dem Gardensitter gerade janz jut. An das direkte Naturerlebnis werde ick mich noch gewöhnen müssen. Für nen waschechten Kiezer gibt es hier zu wenig Reibungsflächen, irgendwie zu sanft, mal abjesehen vom Zwitschern der süssen Piepmätze, von wegen.

Aber wat iss schon "angemessen" für einen Terroristen in Berlin Mitte Hochparterre? Ja, se haben richtig jehört, die Sozialschmarotzer wie Sie - sorry, irgendwo iss dat ja jeder - und ick sind die neuen Terroristen, die den Staat ausbluten lassen. Das Volk folgt nur noch partiell:

"Immer mehr Menschen verlieren das Vertrauen in die Demokratie. Jeder dritte Bundesbürger glaubt nicht, dass die Demokratie Probleme löse, in Ostdeutschland sind es sogar 53 Prozent. Vier von zehn Deutschen zweifeln daran, dass die Demokratie überhaupt noch funktioniere. Jeder zweite kann sich vorstellen, bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr nicht zur Abstimmung zu gehen" Na, wenn se sehen, dass die "Studie" von der SPD-nahen Friedrich-Ebert Stiftung rausgehauen wurde, dann wissen sie och, wo bei denen der Hase im Pfeffer schlummert. Volkspartei, dass ick nich lache. Der Nichtwähler ist zu einer ernsthaften Gefahr für die neoliberale Bourgeoisie geworden, deshalb wird er zum Systemfeind erklärt. So hat Propaganda immer funktioniert, also für mich hat der Wahlkampf begonnen.

Meinen Tagessatz von 4,25 Euro habe ich nach der mässig erfolgreichen Stadtrunde beim Libanesen platt jemacht. Herrlicher Falafel-Teller mit Salat, Hommos und Minzsauce, den Ayran bekomme ick da schon lange auf mein Libanon-Sportcappy dazu, als Freund des Hauses. War ja heute bei der stechenden Sonne dringend erfolderlich, machste dir ja im Winter keene Vorstellung von.

Aus den drei Aufnahmen wurden dann nur noch zwei, am besten digital und legt mir seine Hobbyknipse uffn Tisch. Na Klasse denk ick, dann mach doch gleich selber, durchkieken, klick und ab in die Druckerei, so stellen sich die Brüder diss doch vor. Na, ick erklär ihm, dass da jeshiftet werden muss, wegen der stürzenden Linien und so. Heraus jekommen ist selbst nach fantasievollen Umschreibungen ein Vormittags-Job irgendwo in Brandenburg für nen Taschengeld. Da hätte ick früher nich mal den Azubi für ans Telefon jeschickt. Na wat solls, dann rasselt die alte Linhoff mal wieder, iss ja ein wirklich schönes Format und so altmodisch analog. Kaum bin ick wieder draussen uff der Laube, völlig verschwitzt und groggy, rechtzeitig zum starken Kaffee. Na super, keen Zucker, vergessen in der Hektik.

Ick lass mich ja nich lumpen und probiere mal Ellas Nauener Wildblütenhonig, ganz wie im Coffee Shop. Hab ick ja immer drüber jelacht, wenn die Kollwitz-Yuppies sich die Creme unter die Latte gerührt haben; also zur Not, besser als schwarz. Dafür gibt es heute Abend Alles auf Zucker mit dem hübschen Henry als abjebrannten Club-Pooler. Soweit ick mich noch richtig erinnere, lässt der gleich zu Beginn den coolen Spruch raus "Ich stehe zwar bis zum Hals in der Scheisse, aber die Aussicht ist Klasse." Passt ja irgendwie.
# 02.Juli 2008
aus "FUCK N' FRITZ
- Gedanken beim Schaukeln (in der Hängematte)"
von Fritz Wasch, Berlin 2008 im Sommer
/ unter kreativer Lizenz by-nc-sa

Labels: , ,


6/30/2008

 

Fuck'n Fritz ... Leben iss Plasma

Ach, wissen Se wat?
Ick, erzähl' Ihnen mal 'ne kleene Geschichte!

Nich lang, och nee, dafür hab ick nich so ville Zeit, ick mach uff H4, na Sie wissen doch, Hartz 4, schon im vierten Jahrgang. Leider war diss in den Referenzen noch nich der Bringer, falls Sie verstehn, wat ick meine?

Ok, ick bin 'ne echte Atze, nich so 'ne zujekoofte ausm Osten, nee direkt von uffm Wedding. Naja, hatte schon bessere Zeiten, damals in Reinickendorf am Flughafen. Mal kieken, komm ick vielleicht später zu, man kann ja nie wissen.

Na janz so krass, will ick mal nich Berlinern, diss mach ick denn bei der Lesung in live, klaro, aber ick dachte jerade, also wenn der jungsche Rammstedt in Klagenfurt den Bachmann-Preis mit 25 Riesen abräumt mit 'ner Geschichte von sein Grossvadda, dann mach ick jetze statt H4 uff Vollzeit-Bohemian, und schreib über den kleenen Fritz seine Geschichten, einfach so, mal kieken watt jeht.

Ich weess, dat dat keen interessieren wird, aber uffschreiben kann ick dat ja schon. Hab ja schliesslich ab heute Urlaub. Naja, nich so richtig, weil wir uff H4 haben ja immer Urlaub, und sitzen im Jogginganzug mit Pommes Majo im Bett und kieken fern. Dafür brauchen wir ja och die AKWs, weil unsere Plasmas so ville Strom ziehen, klar. Hab' meinem Sponsorbetreuer uffm Amt schon den Schein mit der Nachzahlung reingeschoben, wollt er nich. Tja, mal sehn, dacht ick, ick will et ja och nich, aber woher nehmen, wennde keene Drogen verkloppen tust, oder Politheini bist.

Na jedenfalls, ick habe gute Vorsätze - vielleicht ruscht mir manchmal die Atze noch raus. Der Tillmann liest da nun 30 Minuten über die Postkarten von seinem alten Herrn aus China, dat hat er vorher schon mal 15 Minuten gemacht, und greift mit diesem trivialen "Dokument vitaler Selbstbehauptung" 25.000 Euros ab. Mein lieber Specht, dat wärn Stipendium für zwei Jahre in der Karibik bei meinem aktuellen H4-Schnitt. Ja, ick weess, ab morgen gibt es 4 Euro mehr, hatte ick ja schliesslich heute schon im Sack. Sofort abgezogen, man weiss ja bei der Regierung nicht so recht, watt morgen iss.

Von den 4 Euro habe ich mir gerade ein Päckchen beste Ökobohne im Discounter geleistet. Mann, ick wusste schon nich mehr, wie frischer Kaffee riecht, ehrlich. Wenn der zwei Wochen steht, ist das Aroma weg. Watt hab ick da schon alles probiert. Im Tiefkühlfach, im Keller, doppelt gesichert im Einmachglas, halbe Portion doppelt gesichert und im Kühlschrank. Nix. Jedesmal, wenn ick das Glas uffgeschraubt habe, entflog eine sanfte Aromawolke mehr ins weite Universum. Schliesslich ist der Duft weg. Nu, mach ma watt am 20ten, wennde noch nich Blutspenden kannst, und sonst keen Moos hast?

Also der Paul Jandl von der Neuen Zürcher wär ja fast eingeschlafen bei der Block-Vorlesung. Hat er nich ganz so gesagt, aber obwohl die ganze Chause nur zwei Tage ging, "war (der Wettbewerb) dabei so langweilig wie kaum zuvor." Und Dirk Knippenhals von der taz fühlte sich in der Klagenfurter TV-Inszenierung "nicht mehr so wohl, weil man als Zuschauer erkennbar nur Staffage für die Kamera ist. Dagegen funktioniert die Übertragung viel besser. Statt einer leicht verschwitzten Seminaratmosphäre sieht man im Fernseher nun eine dezent loungige Talkshowrunde. Ein klein wenig zugespitzt kann man sagen: Während bislang die Live-Situation das Klagenfurt-Ereignis war, findet nun das eigentliche Klagenfurt im Fernsehen statt."

Alle, die den langweiligen Schmus auf 3Sat verpasst haben - Mann hat am Samstag ja in der Hauptstadt wirklich Besseres zu tun, als vorm Plasma zu hängen - die können sich denn dat Ganze beim ORF per demand streamen. Na denn, wie gesagt, muss nich sein. Heute Abend werd ick noch mal bei LANTANA reinsehen. Cooler Aussi-Thriller mit knisternder Erotik, wie aus dem Leben down-under. Ick weess bloss noch nich auf welcher Glotze, der Plasma im Schlafzimmer hat einen Wackler seit ick etwas schicker bei der EM drüber gestolpert bin, und alleene kriegste die Dinger ja nich bewegt.
# 30.Juni 2008
aus "FUCK N' FRITZ
- Gedanken beim Schaukeln (in der Hängematte)"
von Fritz Wasch, Berlin 2008 im Sommer
/ unter kreativer Lizenz by-nc-sa

Labels: , ,


This page is powered by Blogger. Isn't yours?Weblog Commenting and Trackback by HaloScan.com